{"id":3663,"date":"2012-10-08T22:27:36","date_gmt":"2012-10-08T20:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/johannazweiger.wordpress.com\/2012\/10\/08\/hier-sind-alle-suchtig-30-09-bis-03-10-2012\/"},"modified":"2014-11-22T15:23:10","modified_gmt":"2014-11-22T15:23:10","slug":"hier-sind-alle-suchtig-30-09-bis-03-10-2012-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannazweiger.at\/?p=3663","title":{"rendered":"Hier sind alle s\u00fcchtig. (30.09. bis 03.10.2012)"},"content":{"rendered":"<p>Sonntag ist der Tag des Herrn. Und deshalb gehe ich bereits am 2. Tag in England brav in die Kirche \u2013 in eine anglikanische versteht sich. Meine Chefin und ich fahren in die St. Matthews-Kirche in Darley Abbey, einem kleinen Ort nicht weit von Allestree. Die Kirche sieht eigentlich viel eher wie eine Festung aus, richtig mittelalterlich. Ich bin gespannt.<\/p>\n<p>Der Gottesdienst beginnt. Eine Horde Frauen und M\u00e4nner unterschiedlichen Alters begeben sich in langen wei\u00dfen Gew\u00e4ndern in die B\u00e4nke neben dem Altar. Ich denke mir noch, dass die da aber viele Ministranten haben. Wenig sp\u00e4ter erkenne ich, dass das in Wahrheit der Kirchenchor ist. Ministranten gibt\u2018s keine. Die PriesterIN, sie ist schon etwas \u00e4lter, macht zu Beginn einige Ank\u00fcndigungen, auch ein paar scherzhafte Bemerkungen d\u00fcrfen sein. Sp\u00e4ter liest die ganze Gemeinde aus kleinen gr\u00fcnen Brosch\u00fcren, in denen die Messantworten abgedruckt sind. F\u00fcr einen \u201eAusl\u00e4nder\u201c wie mich ist das nat\u00fcrlich sehr praktisch. Die Kommunion ist ziemlich schr\u00e4g: Man muss nach vorne Richtung Altar gehen, sich dort auf eine Art Bank knien und dann warten, bis man Hostie UND Wein bekommt. Dann t\u00e4nzelt man zur\u00fcck zu seinem Platz, die H\u00e4nde halten sich dabei die wenigsten. Eine durchaus interessante Erfahrung. Werde mir wohl noch \u00f6fter englische Messen \u201eansehen\u201c.<\/p>\n<p>Am Nachmittag d\u00fcsen Michele, die Franz\u00f6sisch-Assistentin (Sarah) und ich noch durch halb Derbyshire. Wir schauen uns den s\u00fcdlichen Teil des Peak Districts an, dem ersten Nationalpark Englands. Auf dem Weg: Kedleston Hall, ein sch\u00f6nes Anwesen mit gro\u00dfen Park, und Ashbourne, eine entz\u00fcckende kleine Stadt nicht weit davon entfernt. Drau\u00dfen ist es kalt, ab und an regnet es. F\u00fcr mich Grund genug, mir an diesem Tag drei Tassen Tee zu g\u00f6nnen. Denn hier sind alle s\u00fcchtig. Und zwar nach Earl Grey mit Milch und Zucker. Ahhhh, lovely.<\/p>\n<p>Montag, 1. Oktober. Mein \u201ezweiter erster Schultag\u201c. Wie jeden Tag kommen wir um acht Uhr in der Schule an. Man meldet sich an (\u201esign in\u201c) und versucht, sich an die Namen der Kollegen zu erinnern. Um 8.40 Uhr geht es schlie\u00dflich auf zum \u201eassembly\u201c, der morgendlichen Versammlung (jeden Montag, Mittwoch und Freitag). Alle Sch\u00fclerinnen und LehrerInnen kommen daf\u00fcr zusammen. Und wer sich denkt, dass das bestimmt ein ziemliches Chaos ist, irrt. Denn Disziplin wird an der Derby High gro\u00dfgeschrieben. Keiner muckst sich. Es werden christliche Lieder gesungen, ein Lehrer spricht an diesem Tag \u00fcber die Bedeutung von \u201efaith\u201c. Vier Sch\u00fclerinnen, davon eine Muslimin und eine Sikh, sprechen \u00fcber ihr Verst\u00e4ndnis von Glaube. 9 Uhr: Schulbeginn. Ich begleite meine zweite Chefin Sarah (Head of German) in eine Deutschstunde. \u201eIch habe einen Taschenrechner\u201c, \u201eich habe einen Kuli\u201c sagen die Sch\u00fclerinnen im Chor. Ja, aller Anfang ist schwer. Ganz anders l\u00e4uft es in der Upper 6-Gruppe, die n\u00e4chstes Jahr ihre A-levels machen wird. Hier sprechen wir \u00fcber Umweltschutz, ich zeige meine Graz-Postkarte her und rede ein bisschen \u00fcber Feinstaub. Passt ja so sch\u00f6n zum Thema. Zum Schluss noch ein neues, \u00f6sterreichisches Wort: \u201eBaba!\u201c Es sollte zum neuen \u201erunning gag\u201c werden.<\/p>\n<p>Mittagessen in der Schulkantine (Gew\u00fcrze gibt\u2019s hier offenbar nicht so viele), Kontoer\u00f6ffnung am Nachmittag. Ich melde mich in der Stadtbibliothek an, gratis Internet kann man schlie\u00dflich immer brauchen. Vorher noch schnell zum tourist office, denn auch wenn Derby klein ist, muss unbedingt ein Stadtplan her. Ich erkunde noch etwas die Gegend rund um die Howard St, denn dort gibt es ein potenzielles Zimmer, in das ich am Ende auch beinahe eingezogen w\u00e4re, wenn da nicht dieser landlord und seine eigenartigen Vertr\u00e4ge gewesen w\u00e4re. Anyway, die Lektion des ersten Schultages: Ballerinas sind unbequem. A lot.<\/p>\n<p>Dienstag: noch mehr Papierkram. Stunde mit der Lower 6-Gruppe (haben n\u00e4chstes Jahr ihre AS-Pr\u00fcfungen). Sehr sch\u00fcchterne M\u00e4dels, da haben wir noch viel zu tun. An diesem Tag sollte ich auch das erste Mal Haus\u00fcbungen korrigieren. Das ist tats\u00e4chlich nicht so einfach, wie es klingt. Was l\u00e4sst man zu? Was ist komplett falsch? Naja, man findet mit der Zeit die richtige Balance. Abends hatte ich schlie\u00dflich die Besichtigung in der Howard Street. Dabei ist mir aufgefallen, dass hier in England nicht auf jedem Haus der Stra\u00dfenname zu finden ist, sondern immer nur auf dem Haus am Anfang der Stra\u00dfe. Das macht die Sache f\u00fcr jemanden, der nicht ortskundig ist, nat\u00fcrlich nicht leichter \u2026<\/p>\n<p>Mittwoch: eine meiner Lehrerkolleginnen kann den Slang von Deutschen, die Englisch sprechen, perfekt nachmachen. Lachen ohne Ende. Au\u00dferdem macht die Nachricht, dass eine ehemalige Sch\u00fclerin der Schule schwanger sei, die Runde. \u201eThat happens when you leave Derby High!\u201c, sagt jemand.^^ Wenig sp\u00e4ter dann der Tiefpunkt des Tages: In der Lower 5 (in einem Jahr GCSE) frage ich die Sch\u00fclerinnen, was sie denn so \u00fcber \u00d6sterreich\u00a0 w\u00fcssten. Langes Schweigen. Irgendwann hebt doch jemand die Hand und sagt \u201eThe Sound of Music\u201c. Joooo, hab ich nie gesehen, sage ich. Ist wohl ziemlich klischeehaft, der Film. Naja, wenigstens kam keine Nazi-Bemerkung.<br \/>\nRichtig spannend waren an dem Tag jedoch die Einzelstunden mit den Upper 6-M\u00e4dls. Diese Stunden sind eigentlich meine Hauptaufgabe. Es geht um Aussprache, um gute Formulierungen. Und momentan wie gesagt um Umwelt. Ich freu mich auf viele weitere.<\/p>\n<p>Time for some pictures:<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-3663 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3354'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000351-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3348'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000301-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3350'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000311-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3352'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000341-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3356'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000471-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3359'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000501-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=3361'><img width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/dsc000551-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" loading=\"lazy\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag ist der Tag des Herrn. 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