{"id":5872,"date":"2016-07-20T20:45:05","date_gmt":"2016-07-20T20:45:05","guid":{"rendered":"http:\/\/johannazweiger.at\/?p=5872"},"modified":"2022-03-03T08:30:51","modified_gmt":"2022-03-03T08:30:51","slug":"funf-kulturunterschiede-zwischen-osterreich-und-sudkorea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannazweiger.at\/?p=5872","title":{"rendered":"F\u00fcnf Kulturunterschiede zwischen \u00d6sterreich und S\u00fcdkorea"},"content":{"rendered":"<p>Wie schon w\u00e4hrend meiner Zeit in England und Deutschland, m\u00f6chte ich auch die (Kultur)Unterschiede zwischen \u00d6sterreich und S\u00fcdkorea ein wenig n\u00e4her beleuchten. Vieles ist da nat\u00fcrlich offensichtlich &#8211; die Ballungsr\u00e4ume in Korea sind etwa deutlich gr\u00f6\u00dfer, es gibt andere dominierende Religionen, in Korea wird mit St\u00e4bchen und L\u00f6ffeln gegessen und so weiter. Auf den zweiten Blick fallen einem aber auch noch viele andere Unterschiede auf, die dem Durchschnittseurop\u00e4er wohl nicht so bewusst sind. Hier eine Liste der f\u00fcnf Kulturunterschiede zwischen Europa bzw. \u00d6sterreich und S\u00fcdkorea, die mich \u00fcberrascht und manchmal auch zum Schmunzeln gebracht haben. Die Liste ist dabei nat\u00fcrlich h\u00f6chst subjektiv und auch nicht vollst\u00e4ndig &#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>1) Couple Culture<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=5875\" rel=\"attachment wp-att-5875\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-5875\" src=\"http:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01502c-300x200.jpg\" alt=\"dsc01502c\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01502c-300x200.jpg 300w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01502c-768x512.jpg 768w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01502c-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Was ich mit &#8220;couple culture&#8221; (P\u00e4rchenkultur) meine, ist f\u00fcr die meisten Europ\u00e4er wohl etwas schwer nachzuvollziehen, da es das meiner Meinung nach in dieser Form bei uns nicht gibt.\u00a0Viele P\u00e4rchen in Korea gehen im <strong>partner look<\/strong> nach drau\u00dfen, tragen also etwa das gleiche T-Shirt. Au\u00dferdem habe ich viele P\u00e4rchen gesehen, die Ringe tragen, obwohl sie gar nicht verlobt sind (<strong>&#8220;couple rings&#8221;<\/strong>). Und: mein Buddy hat mir erz\u00e4hlt, dass sie f\u00fcr die dates mit ihrem Freund sogar ein eigenes Bankkonto hat. Dates sind wohl deshalb so wichtig, weil viele junge Koreaner erst sp\u00e4t eine eigene Wohnung haben (die Mieten bzw. Kautionen in Korea sind seeeeehr hoch) und ihren Freund\/ihre Freundin nicht mit zu ihren Eltern bringen k\u00f6nnen. Korea ist in dieser Hinsicht ein wohl eher konservatives Land und viele stellen jemanden erst dann den Eltern vor, wenn schon bald eine Hochzeit ins Haus steht. Deshalb findet man viele junge Paare etwa in Caf\u00e9s, beim Fluss (zumindest in Seoul war das auffallend) und bei sonstigen Freizeitaktivit\u00e4ten au\u00dferhalb der eigenen vier W\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>2) Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl<\/strong> Dass viele junge P\u00e4rchen, wie eben beschrieben, im partner look au\u00dfer Haus gehen, kommt denke ich vom generell starken Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Koreaner. Das wiederum f\u00fchre ich auf den in Korea noch immer sehr pr\u00e4senten<strong> Konfuzianismus<\/strong> zur\u00fcck. Die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius waren n\u00e4mlich jahrhundertelang (bis Anfang des 20. Jahrhunderts) die vorherrschende Ideologie in Korea. Eines der zentralen Konzepte dieser Ideologie ist die kindliche Piet\u00e4t (<strong>filial piety<\/strong>), also der Respekt gegen\u00fcber den eigenen Eltern und Ahnen (viele koreanische Familien betreiben heute noch &#8220;<span lang=\"ko-Hang\">\uc81c\uc0ac<\/span>&#8220;, also Ahnenrituale). Dazu passt auch der folgende Spruch, den ich in meinem Konfuzianismus-Seminar gelernt habe: &#8220;Every strand of your hair and every bit of your skin comes from your parents&#8221;. Im weiteren Sinne hei\u00dft das: man ist immer ein Teil einer Familie, einer community. Deshalb gibt es in Korea auch eine Diskussion dar\u00fcber, inwiefern man als Mensch einzigartig ist bzw. sein soll &#8230; Das Konfuzianismus-Seminar hat mir jedenfalls sehr geholfen, so manchen Aspekt der koreanischen Kultur besser zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>3) Essen in Restaurants<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_5876\" aria-describedby=\"caption-attachment-5876\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=5876\" rel=\"attachment wp-att-5876\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-5876\" src=\"http:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01393-300x200.jpg\" alt=\"Viele Teller, gratis Wasser - man teilt das Essen. \" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01393-300x200.jpg 300w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01393-768x512.jpg 768w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01393-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5876\" class=\"wp-caption-text\">Viele Teller, gratis Wasser &#8211; man teilt das Essen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hier gleich einmal das Offensichtliche in Sachen Essen: Koreanische Gerichte sind nicht nur reis- sondern (leider) auch sehr fleischlastig, sie sind oft sehr scharf und werden mit St\u00e4bchen und L\u00f6ffeln konsumiert (als Messerersatz dient oft eine gro\u00dfe Schere^^). Was einem aber erst auf den zweiten Blick auff\u00e4llt: Beilagen spielen in der koreanischen K\u00fcche eine viel wichtigere Rolle als bei uns (vor allem Kimchi, aber auch Sprossen, Suppen, Salate usw.) und dementsprechend viele Teller finden sich auch auf den Tischen der koreanischen Restaurants. Au\u00dferdem ist es nicht \u00fcblich, zum Essen ein Getr\u00e4nk zu bestellen. Stattdessen wird oft eine <strong>kostenlose Flasche Wasser<\/strong> oder Tee bereitgestellt, wodurch ausw\u00e4rts essen nat\u00fcrlich relativ g\u00fcnstig ist. G\u00fcnstig ist die Sache auch deshalb, weil man Gerichte oft teilt anstatt f\u00fcr jede Person ein eigenes zu bestellen. Beim Korean BBQ etwa gibt es eine gro\u00dfe Grillplatte am Tisch, auf der s\u00e4mtliche Speisen zubereitet werden und von der jeder nehmen kann, was und wie viel er will. Und: in vielen Restaurants gibt es <strong>in die Tische eingebaute Glocken<\/strong>, mit denen man den Kellner rufen kann und man sich das Herumschreien erspart (lautes Sprechen scheint in Korea generell nicht erw\u00fcnscht zu sein, so erkl\u00e4re ich mir jedenfalls, warum ich in den \u00d6ffis drei Mal &#8220;ermahnt&#8221; wurde, weil ich offenbar &#8220;zu laut&#8221; war &#8211; und nein, ich war nicht betrunken, sondern habe mich nur mit meinen Freunden unterhalten, aber gut^^). Manchmal haben die Kellner sogar eine Art Uhr, auf der sie sehen, welcher Tisch gerade nach ihnen geklingelt hat &#8211; ich finde ja, das k\u00f6nnte man bei uns auch einf\u00fchren. \ud83d\ude00 Ebenfalls fein: In Korea ist es nicht \u00fcblich, Trinkgeld herzugeben &#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p><strong>4) Sch\u00f6nheitsideal<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_5879\" aria-describedby=\"caption-attachment-5879\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=5879\" rel=\"attachment wp-att-5879\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-5879\" src=\"http:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01095-300x200.jpg\" alt=\"Koreanische Gesichtsmasken sind auf der ganzen Welt ber\u00fchmt.\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01095-300x200.jpg 300w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01095-768x512.jpg 768w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC01095-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5879\" class=\"wp-caption-text\">Koreanische Gesichtsmasken sind auf der ganzen Welt ber\u00fchmt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Asiaten und insbesondere die Koreanerinnen sind bekannt f\u00fcr ihre makellose Haut. Und an dieser Stelle kommt wieder der Konfuzianismus ins Spiel: Geht es nach Konfuzius, so sollte man immer und \u00fcberall sein Bestes geben. Je nach Interpretation kann das nat\u00fcrlich auch auf das eigene Aussehen bezogen werden. Wie wichtig das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild vor allem den Frauen in Korea ist, merkt man, sobald man eine durchschnittliche Stra\u00dfe in einer Stadt entlang geht. Da gibt es unz\u00e4hlige (koreanische) Kosmetikmarken, die allesamt ein eigenes Gesch\u00e4ft haben (bei uns trifft das nur auf einige wenige Marken zu), die immer wieder mit Angeboten und Neuheiten locken. Aber nicht nur mit konventioneller Kosmetik, sondern auch mit<strong> Sch\u00f6nheits-OPs<\/strong> wird in Korea ein Millionengesch\u00e4ft gemacht &#8211; viele Koreanerinnen bekommen etwa zum Schul- oder Uniabschluss eine Augen-OP geschenkt, in den U-Bahnen habe ich sogar Werbung f\u00fcr Botoxbehandlungen entdeckt &#8230; Man kann&#8217;s auch \u00fcbertreiben. \ud83d\ude09 Generell gilt jedenfalls ein <strong>leicht gl\u00e4nzendes und m\u00f6glichst bleiches Gesicht<\/strong> als sch\u00f6n, weshalb etwa viele Kompaktpuder einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen. Bei uns hingegen legt man ja bekanntlich Wert auf matte und m\u00f6glichst gebr\u00e4unte Haut&#8230; Das gilt zumindest f\u00fcr Frauen. Bei den Herren der Sch\u00f6pfung schaut die Sache auch anders aus als in Europa: Nur selten sieht man junge Koreaner mit Bart, viele wirken etwas androgyn (auch von der Kleidung her). Besonders auffallend ist das im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Oz3mm3tPKfg\">K-Pop<\/a>-Bereich.<\/p>\n<p><strong>5) Wettbewerb<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_5877\" aria-describedby=\"caption-attachment-5877\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/johannazweiger.at\/?attachment_id=5877\" rel=\"attachment wp-att-5877\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-5877\" src=\"http:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC00710-300x200.jpg\" alt=\"Ein Telefon auf einer Br\u00fccke \u00fcber den Han River. Hotlines sollen (junge) Menschen vom Selbstmord abhalten.\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC00710-300x200.jpg 300w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC00710-768x512.jpg 768w, https:\/\/johannazweiger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/DSC00710-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5877\" class=\"wp-caption-text\">Ein Telefon auf einer Br\u00fccke \u00fcber den Han River. Hotlines sollen (junge) Menschen vom Selbstmord abhalten.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wer schon einmal in einer Einkaufsgegend in Seoul war (Myeong-dong, rund um die Ewha-Frauenuniversit\u00e4t etc.), der wei\u00df, dass der wirtschaftliche Wettbewerb in Korea noch gr\u00f6\u00dfer ist als in Europa. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, denn es gibt laufend irgendwelche Aktionen &#8211; etwa in den schon erw\u00e4hnten Kosmetikl\u00e4den &#8211; und sogar eigene Promotion-Mitarbeiter, die vor dem jeweiligen Gesch\u00e4ft (manchmal sogar mit Mikro) irgendetwas anpreisen. Aber nicht nur innerhalb der Wirtschaftstreibenden gibt es viel Konkurrenz, sondern auch in den Schulen und Unis. Wie gesagt: Jeder ist dazu angehalten, immer und \u00fcberall sein Bestes zu geben. Daher gehen auch zwischen 80 und 90 Prozent der jungen Koreaner auf die Uni und wiederholen sogar, wenn es sein muss, den Uni-Aufnahmetest, um an einer noch besseren Uni aufgenommen zu werden. Der Ruf einer Uni ist n\u00e4mlich, anders als etwa in \u00d6sterreich, sehr wichtig. Diese Denkweise hat nat\u00fcrlich gute wie schlechte Seiten &#8211; einerseits hat Korea durch den gro\u00dfen <strong>Ehrgeiz<\/strong> der Koreaner in den vergangenen Jahren eine beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung hingelegt, andererseits kann der gro\u00dfe Druck auch einfach zu viel werden. So \u00fcberrascht es auch nicht, dass Korea die weltweit zweith\u00f6chste <strong>Selbstmordrate<\/strong> hat. Immer wieder muss ich an die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=liQzqLymKj8\">Mapo Bridge <\/a>denken, die auch als &#8220;suicide bridge&#8221; bezeichnet werden kann, weil sich hier immer wieder Menschen das Leben nehmen. Inzwischen gibt es aufmunternde Botschaften und Bilder auf dem Br\u00fcckengel\u00e4nder, die die Menschen vom Springen abhalten sollen. An der Ursache f\u00fcr dieses Problem wird sich aber wohl noch lange nichts \u00e4ndern. Jeden Tag nehmen sich rund 40 Menschen in Korea das Leben &#8230; Dieser letzte Unterschied ist wohl der Hauptgrund, warum ich nicht in Korea leben k\u00f6nnte. Dennoch bin ich froh, diese v\u00f6llig andere Denkweise und Kultur kennengelernt zu haben. Manchmal muss man weit von seinem Zuhause weggehen, um es wieder neu sch\u00e4tzen zu lernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon w\u00e4hrend meiner Zeit in England und Deutschland, m\u00f6chte ich auch die (Kultur)Unterschiede zwischen \u00d6sterreich und S\u00fcdkorea ein wenig n\u00e4her beleuchten. 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