Die erste Woche in Seoul – vom Campus hinaus zu historischen Palästen bis nach Gangnam (29.02.-06.03.2016)

Die erste Woche in Seoul war schon einmal sehr fein. Ich habe viele coole Leute und langsam die Umgebung rund um den Campus kennengelernt (wer mich kennt, weiß, dass Orientierung im Allgemeinen nicht so mein Ding ist), zum ersten Mal meine Seminare besucht, viel koreanisches Essen genossen und natürlich so manche Sehenswürdigkeit besichtigt. Am Montagnachmittag stand die große Orientation-Veranstalung des OIA (Office of International Affairs) an. Sämtliche Auslandsstudenten wurden also in “academic and administrative matters” und vieles mehr eingeweiht. Bei der Gelegenheit habe ich auch meinen Buddy Jinju kennengelernt (am Flughafen hatte ich sie ja leider verpasst). Wir haben dann in einer kleinen Gruppe den Campus besichtigt, das aber aufgrund des eiskalten Windes bald bleiben lassen und sind stattdessen essen gegangen. 😀 Es gab nebst Reis und Kimchi eine scharfe Suppe mit Schweinefleisch, das noch am Knochen war (감자탕, Gamjatang). Klingt ziemlich grausig, war es aber nicht.^^ Beim Essen hatte ich allerdings große Schwierigkeiten, nachdem ich mit Stäbchen nach wie vor nicht umgehen kann. 😀 Aber die anderen hatten zumindest ihren Spaß. 😉 Es war das erste Mal, dass ich gleich nach dem Eintreten meine Schuhe ausziehen und am Boden sitzen musste. Eine coole, aber auf Dauer anstrengende Sache …

Nachdem das mit der campus tour am Montag nicht sehr lang dauerte, hab ich am Dienstag quasi noch eine gemacht. Auch die Gegend rund um eine der U-Bahn-Stationen nahe der Uni (Sinchon) habe ich mir angesehen, wobei ich auch ein bisschen koreanische Naturkosmetik ergattern konnte (die Marke heißt “innisfree” und ist in sehr vielen Geschäften zu haben, allerdings nicht zertifiziert und somit leider nicht ganz so cool, ich suche noch nach Alternativen^^). Anyways, am Abend ging es dann mit einigen Deutschen zum Seoul Tower, den man zum Glück gut mit dem Bus erreichen kann. Von dort oben hat man natürlich eine tolle Aussicht, die einen erahnen lässt, wie unfassbar groß diese Stadt eigentlich ist … Am Tower habe ich auch eine schöne Postkarte mit einem traditionellem Kleid gekauft (siehe Bilder). Meine Mitbewohnerin hat mir später erklärt, dass diese Tracht “Hanbok” (한복) heißt und man sie meist schneidern lässt. Ist natürlich super teuer, aber auch sehr sehr schön. :) Traditionell getragen wird die Tracht vor allem zu Neujahr, zu Hochzeiten und zu Erntedank.

Mittwoch habe ich dann gemeinsam mit meinem Buddy mein Bankkonto eröffnet. Sprich, ich musste lange warten und mich mit nicht besonders gut Englisch sprechenden Bankangestellten verständigen. Bei den Englischkenntnissen gibt es generell sehr große Unterschiede – in Geschäften hat man eigentlich schon Glück, wenn jemand zumindest ein bisschen Englisch kann. Bei jungen Leuten ist es meistens besser, aber ich hab auch schon Gleichaltrige getroffen, die nur ganz schlecht oder überhaupt nicht Englisch konnten … Am Abend mussten dann einige von uns und auch ich den placement test für den Koreanischkurs machen – das war sehr kurios.^^ Der “Prüfer” hat nämlich nur Koreanisch gesprochen und als er mich dann mittendrin ganz erwartungsvoll angeschaut hat, hab ich einfach alle koreanischen Sätze aufgesagt, die ich kann (sprich, ich hab mich vorgestellt). Keine Ahnung, was er eigentlich hören wollte – das war quasi geraten. 😀 Nachher hat er mir noch eine Seite zum Vorlesen gegeben, die ich mit Müh und Not irgendwie entziffern konnte … alles noch sehr ausbaufähig. Kommende Woche startet dann der Kurs. Wir sind schon sehr gespannt. Abendessen an diesem Tag: Cheese Rice um die Ecke (die Koreaner sagen “tschisö bap” :D). Tags darauf hat dann für mich das eigentliche Unileben, also meine Seminare begonnen. Das erste heißt “Introduction to the world of religion” und beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, warum und wie Religion immer wieder für politische Zwecke missbraucht wird. Das zweite heißt “Major Concepts of Confucianism”, es geht also um den allseits bekannten Konfuzius. Beide Profs haben mich da nicht gerade vom Hocker gerissen, es war beide Male viel Blabla und wenig content. Aber ich bin optimistisch, dass sich das noch ändern wird. Besonders freue ich mich auf zwei Exkursionen zu koreanischen Kirchen bzw. Tempeln, die wir im Rahmen des ersten Seminares machen werden. Nachdem ich nur am Montag, Mittwoch und Donnerstag Uni habe, beginnt mein Wochenende schon am Freitag. 😉 Und in diesem Fall habe ich da mit einer Niederländerin und einer Belgierin die größte Frauenuniversität der Welt (Ewha) besucht. Die ist nämlich gleich um die Ecke und hat einen wunderbaren Campus und auch ein Museum, das man gratis besuchen kann. Später ging es noch in die Nähe des Flusses (Han River) und zum Fortgehen nach Sinchon (Mike’s Cabin). Das, was ich eigentlich am Freitag machen wollte, nämlich zu Lotte Mart (einem großen department store neben Seoul Station) fahren, habe ich dann am Samstag gemacht. Da gab’s nämlich Regen und sogar ein bisschen Hagel, also perfektes Shoppingwetter. War leider seeeehr busy und auch recht teuer, aber zumindest hatten sie Ottakringer Bier. 😀

Highlight der Woche war dann der Sonntag. Er hat allerdings nicht besonders erfreulich begonnen, weil ich am Vormittag wieder einmal vergebens nach einer koreanischen Naturkosmetikmarke gesucht habe und dafür extra eine halbe Stunde mit der U-Bahn gefahren bin. Dadurch habe ich dann leider meine Partie fürs sightseeing verpasst und musste ihr mühsam stundenlang hinterherfahren. Meine Kollegin Laura hat mir aber zum Glück immer wieder updates bezüglich des Weges geschickt und so habe ich die Gruppe schließlich doch noch gefunden. Wir haben uns den Changgyeonggung-Palast angesehen und eine Führung gemacht (wirklich sehr beeindruckend) und sind dann später noch nach Gangnam gefahren, was natürlich ein krasser Gegensatz war. 😀 So viele Schilder, Musik und Promotion-Angestellte, die einem was andrehen wollen … Ja, der Wettbewerb in Korea ist wirklich krass! Und krass ist auch wie schnell die Zeit vergeht. Aber ich genieße sie in vollen Zügen.

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