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Gone East – meine Reise auf die andere Seite der Welt (25.-28.02.2016)

25. Februar 2016. Wie oft habe ich dieses Datum in den vergangenen Wochen und Monaten ausgesprochen. Aber so richtig realisiert, was es bedeutet – das habe ich erst als es wirklich so weit war (wieder einmal). Als ich mich von meinen loved ones verabschieden und ins Flugzeug steigen musste.

Da saß ich dann. Ganz allein in meinem Reihenteil, denn unmittelbaren Sitznachbarn hatte ich auf dem Weg zum Umstieg in Dubai keinen. Nebst all den luxuriösen Features des Emirates-Fluges natürlich sehr angenehm. Bis jetzt hatte ich ja fast nur Erfahrung mit der Billiglinie Ryanair. Als mir die Emirates-Stewardess dann kurz nach dem Start schon das erste Erfrischungstuch reichte, war mir klar: das ist eine andere Liga. Da gibt es einen modernen Screen auf dem Sitz des Vordermannes, auf dem man das sogenannte “ice”-System (information, communications, entertainment samt Newsheadlines und Filmen) nutzen kann, feines Essen, einen Polster, eine Decke, einen Kopfhörer und und und.  Außerdem hab ich auf dem Weg nach Dubai auch noch eine tolle Überraschung bekommen! Michael hat nämlich organisiert, dass mir quasi als zusätzliches Dessert eine Sachertorte in einer schönen Holzschachtel serviert wird. Ein Traum! Die fünf Stunden Flug waren entsprechend schnell um.

In Dubai angekommen, ging es schließlich gleich zu Costa – dort konnte ich nämlich einen Emirates-Gutschein für Essen bzw. ein Getränk einlösen. Ja, diese Linie weiß, was Kundenservice heißt. Und die Flasche Wasser war angesichts der herrschenden 22 Grad (und das mitten in der Nacht!) auch bitter notwendig. Dann hieß es warten und noch einmal warten. Aufgrund des recht späten Boardings und weiteren Verzögerungen beim Start an sich hatte meine Maschine nach Seoul (Incheon) schließlich fast eine Stunde Verspätung, wodurch ich beinahe den Pick Up-Service meiner Uni verpasste. Ursprünglich sollte ich um 16 Uhr 30 ankommen, aber das war eine Illusion. Denn zusätzlich musste ich auch noch fast eine Stunde beim Immigration-Schalter anstehen. Aber ich hatte Glück und so geleiteten mich zwei Mitglieder des HUG-Klubs (Hands Up for Gathering) per Bus zu meinem Studentenheim am Campus der Sogang University (genannt Gonzaga Hall). Das ist jenes Heim, in dem vor allem Auslandsstudierende unterkommen und das – so meinte zumindest Jason vom HUG-Klub – deutlich teurer ist als das zweite Heim am Campus, in dem fast nur Koreaner wohnen. Aber gut, so konnte ich gleich am ersten Abend mit zwei wild durcheinander redenden Amerikanerinnen aus New York Bekanntschaft machen, die sich meinen Föhn ausborgen wollten. Facebook macht’s möglich …

Die Busfahrt zum Studentenheim war übrigens sehr nett, denn ich konnte mich intensiv mit Jane vom HUG-Klub austauschen (viele Koreaner stellen sich mit einem englischen Vornamen vor, da der leichter ausgesprochen werden kann). Sie erzählte mir, dass sie den Uni-Aufnahmetest damals zwei Mal gemacht hat, denn beim ersten Mal war sie offenbar nicht gut genug, sodass ihre Eltern meinten: “Für diese Uni zahlen wir sicher keine Studiengebühren.” Ja, in Sachen Ruf gibt es offensichtlich große Unterschiede in Korea. Sie hat dann ein ganzes Jahr mit Lernen verbracht (12 bis 14 Stunden pro Tag!) und es noch einmal probiert. Da hat es dann mit Sogang geklappt.
Auch der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea ist schnell zum Thema geworden. Jane meinte, dass rund ein Drittel der Koreaner geteilte Familien hätten, ein Teil wohnt also im Norden, der andere im Süden, deshalb sei auch die “unification” für viele ein persönliches Anliegen, auch wenn es wirtschaftlich natürlich sehr schwierig sein würde. Die Nordkoreaner wüssten außerdem durchaus Bescheid, dass in ihrem Land “etwas nicht stimmt”. Aber es sei eben zu gefährlich, dagegen etwas zu tun.

Schon am ersten Abend (Freitag) in Seoul wurde mir schnell klar, dass mit dem Englischsprechen nicht immer ganz so einfach ist. Der Security-Mitarbeiter bei der Lobby in meinem Heim etwa war ganz verwirrt als ich ihn fragte, wo denn der nächste emart (eine Mischung aus Interspar und Ikea) sei. Auch im conveniece shop nebenan wurde ich nicht besonders gut verstanden. Aber mei, irgendwie kommt man dann ja trotzdem zurecht. 😀 Am Samstag war dann einmal Großeinkauf beim emart eine U-Bahn-Station weiter angesagt, wo ich mir etwa eine Decke gekauft habe (Bettzeug ist nämlich selbst zu organisieren). Gemeinsam mit einigen anderen exchange students erkundetete ich außerdem den Stadtteil Itaewon, wo wir unter anderem auch Kimbap (ein Reisgericht mit Gemüse) probierten. Soooo gut! Und eingeladen wurden wir auch noch … Kurios dabei: Mitten in Itaewon haben mich plötzlich zwei junge Studis angesprochen – sie würden gerne ein bisschen ihr Englisch üben, ob ich denn Zeit hätte … Sachen gibt’s! 😀

Noch viel kurioser war dann die Orientation-Veranstaltung meines Studentenheimes am Abend: Hier zeigte man uns nebst diesem TED-Talk tatsächlich ein Video, wie wir denn unsere Zimmer zu putzen haben! 😀 Alles sehr schräg, aber so ist es eben – es gibt viele Regeln. Und das wurde mir auch bewusst, als ich zuvor Wäsche waschen wollte. Da bin ich nämlich kurzerhand aus dem Waschraum “for boys” verscheucht worden (wer konnte denn wissen, dass es getrennte Waschräume gibt?!). 😀 Naja, jedenfalls war dann nach der Orientation noch Fortgehen in Hongdae am Programm – ein Stadtteil, der fast nur aus Bars und Clubs besteht. Ist in Worten eigentlich gar nicht zu beschreiben … Unfassbar viele Menschen, laute Musik und Neon-Schilder –> KULTURSCHOCK.

Am Sonntag habe ich schließlich meine Zimmerkollegin Sooah (“Sua”) etwas besser kennengelernt, die am Vortag eingezogen war. Anfangs schien sie sehr schüchtern, aber sie taut langsam auf. Immerhin kann sie mit mir ihre Englischskills verbessern, denn sie studiert Englisch. Sie hat mir schließlich auch erklärt, dass mein Abendessen an diesem Abend 닭갈비 (Dak Galbi) heißt. Die beiden exchange-Mädels aus Australien und Frankreich und ich wussten nämlich gar nicht, was wir da genau gegessen hatten, nur dass es sehr gut und auch recht günstig war. 😀 Krass war außerdem, dass die Kellner immer wahnsinnig laut “안녕하세요” [An-nyeong-ha-se-yo, sprich “Hallo”] gerufen haben, sobald ein neuer Gast ins Lokal kam, das übrigens extrem voll war und in dem wir die einzigen Ausländer waren. Sie haben auch immer wieder umgerührt und uns quasi Anweisungen gegeben, was wir als nächstes essen sollten. 😀 Alles sehr schräg, aber auch sehr fein! Aja, und am Nachmittag hat es plötzlich volle Kanne zu schneien begonnen, woraufhin sich der Campus in ein kleines winter wonderland verwandelt hat … Hier die Bilder:

In nur drei Tagen ist schon so viel passiert. Was wohl in den kommenden Wochen noch alles auf mich zukommen wird? 🙂

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