Zwei Wochen in Seoul – eine Stadt voller Extreme (07.-13.03.2016)

Kaum zu fassen, dass ich schon zwei Wochen hier lebe. Die Zeit vergeht so schnell und doch fühle ich mich inzwischen fast wie daheim. Trotzdem war es aber auch schön, wieder einmal face to face mit einem Österreicher zu reden – am Montag war ich nämlich bei der österreichischen Botschaft, um mich als Auslandsösterreicherin registrieren zu lassen. Ich fürchtete schon, nicht mehr dranzukommen, weil ich eigentlich schon nach der für den Parteienverkehr vorgesehenen Zeit hinkam (ja, die Botschaft war wirklich schwer zu finden!), aber ich hatte Glück. Die Herrschaften dort waren sehr freundlich und haben mir auch erklärt, wie denn das mit der Bundespräsidentenwahl im April ablaufen wird … Die Botschaft selbst ist übrigens ein mittelgroßes Büro in einem Hochhaus in einem der business districts in Seoul (rund um die U-Bahn-Haltestelle Gwanghwamun). Nachher habe ich mir gleich in der Nähe noch eine koreanische SIM-Karte gekauft, um möglichst immer eine Internetverbindung zu haben (ohne die hat man es wirklich schwer, siehe Ausflug vergangene Woche …). Das war vielleicht was! Die Dame dort konnte nämlich nicht besonders gut Englisch und so hatten wir ziemliche Kommunikationsschwierigkeiten (ich sag nur “Do you have a pooon?” – im Koreanischen gibt es nämlich kein “f” bzw. “v” und so wird es immer mit einem “p” ersetzt … spricht aus “phone” wird “pooon” …). Naja, irgendwie hat es dann doch geklappt. 😉

Der Dienstag war dann voller Lehrveranstaltungen und am Nachmittag hieß es putzen, denn alle zwei Wochen wird kontrolliert, ob das eigene Zimmer auch schön sauber ist. Ja, in unserem Studentenwohnheim gibt es viele (unnötige) Regeln und Vorschriften, aber dafür ist die Miete nicht allzu teuer und man hat es auch nicht weit zu den Lehrveranstaltungen, alles kann man eben nicht haben. Beim “floor meeting” (immer um 23 Uhr) bekommt man in der Cafeteria im Keller des Hauses noch einmal einige Regeln erklärt und dann wird das Zimmer kontrolliert, wobei man sich dabei Pluspunkte verdienen kann. Im Heim gibt es nämlich ein Punktesystem für gutes bzw. schlechtes Verhalten. Minuspunkte gibt es etwa für das Verletzen der Ausgangssperre (von Mitternacht bis 5 Uhr Früh), wobei man in dieser Zeit immerhin einmal ein- oder ausgehen darf, also soooo schlimm ist es auch wieder nicht. Meine Zimmerkollegin und ich waren jedenfalls brav und haben fünf Pluspunkte bekommen. 😉

Nachdem ich am Mittwoch (wirklich!!) zum letzten Mal – wieder vergeblich – nach koreanischer Naturkosmetik gesucht hatte, standen am Donnerstag wieder Lehrveranstaltungen auf dem Programm. Zwischendurch war aber auch Zeit für Essen. 😉 Einige exchange students und ich gingen zu einem koreanischen Buffet in Sinchon, was wirklich sehr gut, aber auch recht teuer war. Mein persönliches Highlight: Salat!! Das ist nämlich in der koreanischen Küche eher unüblich. Generell wird fast nur Gekochtes und sehr “fleischlastig” gegessen … :( Äpfel etwa sind extrem teuer (hab neulich vier Stück um umgerechnet € 5,80 gesehen!!). Frisches Obst und Gemüse vermisse ich daher sehr. Vielleicht probiere ich einmal einen der vielen street shops oder einen Markt aus – da soll es etwas günstiger sein.

Am Freitag hab ich gleich in der Früh erst einmal meinen Schreibtischsessel zerstört (unabsichtlich natürlich). 😀 Der konnte aber zum Glück schnell repariert werden, also alles kein Stress. Am Abend hab ich schließlich eine Koreanerin (Studentin an der Ewha Womans University) und deren Freundin getroffen. Sie heißt Lucy und ist wiederum eine Freundin einer anderen KFU-Studentin, die ebenfalls an der Sogang University ein Auslandssemester gemacht hat und mit der ich schon seit einigen Wochen in E-Mail-Kontakt stehe (Lucy war übrigens auch in Graz auf exchange und von der Stadt mega begeistert). :) Wir sind in ein japanisches Restaurant in Sinchon gegangen, haben heiße Schokolade getrunken und eingekauft (dank der langen Öffnungszeiten auch spät am Abend kein Problem). Außerdem haben wir uns unter anderem über das koreanische Schulsystem unterhalten, von dem mir auch schon meine Mitbewohnerin erzählt hat. Hier nur einige Eckpunkte: Nebst der regulären Schulstunden erwarten die meisten Schulen, dass jeder Schüler jeden Tag bis 23 Uhr (manchmal auch Mitternacht) “self study” betreibt, sprich die Schulzeit besteht aus Dauerlernen und das war’s. Wenn dann der Aufnahmetest für die Uni geschrieben wird, wird der Druck besonders groß, denn etwa 80% der koreanischen Schüler studieren und wollen natürlich an eine möglichst gute Uni kommen (eine “gute” Uni ist in den entsprechenden Rankings weit oben). Meine Uni etwa belegt Platz 4 und zählt damit zu den Topunis der Stadt, die übrigens meist Privatunis sind und entsprechend hohe Studiengebühren verlangen. Auch deshalb studieren sehr viele Koreaner “business” oder “economics”, weil sie sich davon einen gut bezahlten Job erhoffen. Wenn es dann nach der Uni ums Bewerben geht, zählt vor allem die Erfahrung, die man abseits der Lehrveranstaltungen gesammelt hat, sprich, auch das Unileben stellt hohe Anforderungen … Seeeeehr krasse Sache. Jedenfalls war es ein insgesamt netter Abend. :)

Für Samstag hat der HUG-Club dann den ersten “field trip” – einen Ausflug zum größten Palast der Stadt organisiert. Und der Gyeongbokgung (경복궁) ist tatsächlich riesig und sehr beeindruckend. Hier ist mir außerdem wieder der krasse Gegensatz zwischen Tradition und Moderne aufgefallen, den man in Seoul immer wieder zu spüren bekommt, denn wir haben hier eine Art “changing of the guard”-Performance gesehen (sprich, Wachsoldaten in bunten Gewändern, riesige Trommeln etc.), im Hintergrund jedoch waren zahlreiche moderne Hochhäuser zu sehen … Nachdem unsere Gruppe insgesamt an die 200 Studis umfasste, hat man uns in kleine Gruppen aufgeteilt, die nicht nur den Palast besichtigt haben, sondern nachher auch gemeinsam essen gegangen sind. In meinem Fall gab es Suppe mit einem ganzen Huhn. 😀 Wieder einmal ein recht spezielles (aber sehr gutes) Essen. 😉 Anschließend sind viele von uns noch in Sinchon fortgegangen, was sich am nächsten Morgen mit einem mega Kater rächen sollte. Aber gut.

Irgendwann konnte ich mich dann doch aus dem Bett aufraffen und habe nach einem Reisburger (ja, das gibt’s^^) meinen Buddy Jinju getroffen. Sie hat mir das National Museum of Korea (also das Nationalmuseum) gezeigt. Hier habe ich vor allem viel über die Joseon-Dynastie gelernt, die fast 600 Jahre (!) in Korea geherrscht hat. 27 Könige waren es insgesamt, der wohl berühmteste von ihnen (König Sejong – 세종) hat übrigens auch das koreanische Alphabet Hangul (한글) erfunden. Ein wirklich riesiges und auch in Sachen Architektur sehenswertes Museum, das noch dazu keinen Eintritt verlangt. Abendessen: Salaaaaaaat! 😉

Und sonst? Kommende Woche werden wir wohl weiter unseren roadtrip über die Osterferien planen und außerdem möchte ich einem Englisch-Klub beitreten … Fad wird mir also so schnell nicht. :)

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