Fünf Kulturunterschiede zwischen Österreich und Südkorea

Wie schon während meiner Zeit in England und Deutschland, möchte ich auch die (Kultur)Unterschiede zwischen Österreich und Südkorea ein wenig näher beleuchten. Vieles ist da natürlich offensichtlich – die Ballungsräume in Korea sind etwa deutlich größer, es gibt andere dominierende Religionen, in Korea wird mit Stäbchen und Löffeln gegessen und so weiter. Auf den zweiten Blick fallen einem aber auch noch viele andere Unterschiede auf, die dem Durchschnittseuropäer wohl nicht so bewusst sind. Hier eine Liste der fünf Kulturunterschiede zwischen Europa bzw. Österreich und Südkorea, die mich überrascht und manchmal auch zum Schmunzeln gebracht haben. Die Liste ist dabei natürlich höchst subjektiv und auch nicht vollständig … 😉

1) Couple Culture

dsc01502cWas ich mit “couple culture” (Pärchenkultur) meine, ist für die meisten Europäer wohl etwas schwer nachzuvollziehen, da es das meiner Meinung nach in dieser Form bei uns nicht gibt. Viele Pärchen in Korea gehen im partner look nach draußen, tragen also etwa das gleiche T-Shirt. Außerdem habe ich viele Pärchen gesehen, die Ringe tragen, obwohl sie gar nicht verlobt sind (“couple rings”). Und: mein Buddy hat mir erzählt, dass sie für die dates mit ihrem Freund sogar ein eigenes Bankkonto hat. Dates sind wohl deshalb so wichtig, weil viele junge Koreaner erst spät eine eigene Wohnung haben (die Mieten bzw. Kautionen in Korea sind seeeeehr hoch) und ihren Freund/ihre Freundin nicht mit zu ihren Eltern bringen können. Korea ist in dieser Hinsicht ein wohl eher konservatives Land und viele stellen jemanden erst dann den Eltern vor, wenn schon bald eine Hochzeit ins Haus steht. Deshalb findet man viele junge Paare etwa in Cafés, beim Fluss (zumindest in Seoul war das auffallend) und bei sonstigen Freizeitaktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände.

2) Zusammengehörigkeitsgefühl

Dass viele junge Pärchen, wie eben beschrieben, im partner look außer Haus gehen, kommt denke ich vom generell starken Zusammengehörigkeitsgefühl der Koreaner. Das wiederum führe ich auf den in Korea noch immer sehr präsenten Konfuzianismus zurück. Die Lehren des chinesischen Philosophen Konfuzius waren nämlich jahrhundertelang (bis Anfang des 20. Jahrhunderts) die vorherrschende Ideologie in Korea. Eines der zentralen Konzepte dieser Ideologie ist die kindliche Pietät (filial piety), also der Respekt gegenüber den eigenen Eltern und Ahnen (viele koreanische Familien betreiben heute noch “제사“, also Ahnenrituale). Dazu passt auch der folgende Spruch, den ich in meinem Konfuzianismus-Seminar gelernt habe: “Every strand of your hair and every bit of your skin comes from your parents”. Im weiteren Sinne heißt das: man ist immer ein Teil einer Familie, einer community. Deshalb gibt es in Korea auch eine Diskussion darüber, inwiefern man als Mensch einzigartig ist bzw. sein soll … Das Konfuzianismus-Seminar hat mir jedenfalls sehr geholfen, so manchen Aspekt der koreanischen Kultur besser zu verstehen.

3) Essen in Restaurants

Viele Teller, gratis Wasser - man teilt das Essen.
Viele Teller, gratis Wasser – man teilt das Essen.

Hier gleich einmal das Offensichtliche in Sachen Essen: Koreanische Gerichte sind nicht nur reis- sondern (leider) auch sehr fleischlastig, sie sind oft sehr scharf und werden mit Stäbchen und Löffeln konsumiert (als Messerersatz dient oft eine große Schere^^). Was einem aber erst auf den zweiten Blick auffällt: Beilagen spielen in der koreanischen Küche eine viel wichtigere Rolle als bei uns (vor allem Kimchi, aber auch Sprossen, Suppen, Salate usw.) und dementsprechend viele Teller finden sich auch auf den Tischen der koreanischen Restaurants. Außerdem ist es nicht üblich, zum Essen ein Getränk zu bestellen. Stattdessen wird oft eine kostenlose Flasche Wasser oder Tee bereitgestellt, wodurch auswärts essen natürlich relativ günstig ist. Günstig ist die Sache auch deshalb, weil man Gerichte oft teilt anstatt für jede Person ein eigenes zu bestellen. Beim Korean BBQ etwa gibt es eine große Grillplatte am Tisch, auf der sämtliche Speisen zubereitet werden und von der jeder nehmen kann, was und wie viel er will.

Per Glocke zur Bestellung ...Und: in vielen Restaurants gibt es in die Tische eingebaute Glocken, mit denen man den Kellner rufen kann und man sich das Herumschreien erspart (lautes Sprechen scheint in Korea generell nicht erwünscht zu sein, so erkläre ich mir jedenfalls, warum ich in den Öffis drei Mal “ermahnt” wurde, weil ich offenbar “zu laut” war – und nein, ich war nicht betrunken, sondern habe mich nur mit meinen Freunden unterhalten, aber gut^^). Manchmal haben die Kellner sogar eine Art Uhr, auf der sie sehen, welcher Tisch gerade nach ihnen geklingelt hat – ich finde ja, das könnte man bei uns auch einführen. 😀 Ebenfalls fein: In Korea ist es nicht üblich, Trinkgeld herzugeben … 😉

4) Schönheitsideal

Koreanische Gesichtsmasken sind auf der ganzen Welt berühmt.
Koreanische Gesichtsmasken sind auf der ganzen Welt berühmt.

Die Asiaten und insbesondere die Koreanerinnen sind bekannt für ihre makellose Haut. Und an dieser Stelle kommt wieder der Konfuzianismus ins Spiel: Geht es nach Konfuzius, so sollte man immer und überall sein Bestes geben. Je nach Interpretation kann das natürlich auch auf das eigene Aussehen bezogen werden. Wie wichtig das äußere Erscheinungsbild vor allem den Frauen in Korea ist, merkt man, sobald man eine durchschnittliche Straße in einer Stadt entlang geht. Da gibt es unzählige (koreanische) Kosmetikmarken, die allesamt ein eigenes Geschäft haben (bei uns trifft das nur auf einige wenige Marken zu), die immer wieder mit Angeboten und Neuheiten locken. Aber nicht nur mit konventioneller Kosmetik, sondern auch mit Schönheits-OPs wird in Korea ein Millionengeschäft gemacht – viele Koreanerinnen bekommen etwa zum Schul- oder Uniabschluss eine Augen-OP geschenkt, in den U-Bahnen habe ich sogar Werbung für Botoxbehandlungen entdeckt … Man kann’s auch übertreiben. 😉 Generell gilt jedenfalls ein leicht glänzendes und möglichst bleiches Gesicht als schön, weshalb etwa viele Kompaktpuder einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen. Bei uns hingegen legt man ja bekanntlich Wert auf matte und möglichst gebräunte Haut… Das gilt zumindest für Frauen. Bei den Herren der Schöpfung schaut die Sache auch anders aus als in Europa: Nur selten sieht man junge Koreaner mit Bart, viele wirken etwas androgyn (auch von der Kleidung her). Besonders auffallend ist das im K-Pop-Bereich.

5) Wettbewerb

Ein Telefon auf einer Brücke über den Han River. Hotlines sollen (junge) Menschen vom Selbstmord abhalten.
Ein Telefon auf einer Brücke über den Han River. Hotlines sollen (junge) Menschen vom Selbstmord abhalten.

Wer schon einmal in einer Einkaufsgegend in Seoul war (Myeong-dong, rund um die Ewha-Frauenuniversität etc.), der weiß, dass der wirtschaftliche Wettbewerb in Korea noch größer ist als in Europa. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, denn es gibt laufend irgendwelche Aktionen – etwa in den schon erwähnten Kosmetikläden – und sogar eigene Promotion-Mitarbeiter, die vor dem jeweiligen Geschäft (manchmal sogar mit Mikro) irgendetwas anpreisen. Aber nicht nur innerhalb der Wirtschaftstreibenden gibt es viel Konkurrenz, sondern auch in den Schulen und Unis. Wie gesagt: Jeder ist dazu angehalten, immer und überall sein Bestes zu geben. Daher gehen auch zwischen 80 und 90 Prozent der jungen Koreaner auf die Uni und wiederholen sogar, wenn es sein muss, den Uni-Aufnahmetest, um an einer noch besseren Uni aufgenommen zu werden. Der Ruf einer Uni ist nämlich, anders als etwa in Österreich, sehr wichtig. Diese Denkweise hat natürlich gute wie schlechte Seiten – einerseits hat Korea durch den großen Ehrgeiz der Koreaner in den vergangenen Jahren eine beeindruckende wirtschaftliche Entwicklung hingelegt, andererseits kann der große Druck auch einfach zu viel werden. So überrascht es auch nicht, dass Korea die weltweit zweithöchste Selbstmordrate hat. Immer wieder muss ich an die Mapo Bridge denken, die auch als “suicide bridge” bezeichnet werden kann, weil sich hier immer wieder Menschen das Leben nehmen. Inzwischen gibt es aufmunternde Botschaften und Bilder auf dem Brückengeländer, die die Menschen vom Springen abhalten sollen. An der Ursache für dieses Problem wird sich aber wohl noch lange nichts ändern. Jeden Tag nehmen sich rund 40 Menschen in Korea das Leben …

Dieser letzte Unterschied ist wohl der Hauptgrund, warum ich nicht in Korea leben könnte. Dennoch bin ich froh, diese völlig andere Denkweise und Kultur kennengelernt zu haben. Manchmal muss man weit von seinem Zuhause weggehen, um es wieder neu schätzen zu lernen. 😉

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