Von Sozialpornos und Kampfhundegegnern

Tarek Leitner ist nicht nur ZiB-Moderator. Nein, er kann auch schauspielern. Dieses Talent und dass man beim Moderieren einer TV-Sendung seine Hände doch nicht ganz verstecken muss, stellte er uns Journalismusstudenten in zwei spannenden Lehrveranstaltungen unter Beweis.

Ende November 2010 hatte unser Jahrgang die große Ehre, mit dem langjährigen ORF-Moderator und Redakteur Tarek Leitner zusammenarbeiten zu dürfen. In zwei Blockveranstaltungen sprachen wir über aktuelle Entwicklungen im Fernsehjournalismus, diskutierten über Werbung und vor allem über die Zeit im Bild. Aber auch andere ORF-Sendunngen, wie etwa “Helden von morgen” kamen nicht zu kurz (“Vielleicht können wir in dieser Sendung so wie beim ‘Mundl’ auch einmal einen sozialkritischen Aspekt erkennen.”). Eine andere nannte man scherzhaft Sozialporno… 😉

In der Praxis liegt die Kraft

Wie immer am spannendsten waren aber die beiden Praxisübungen. Die erste bestand darin, zu einem ZiB-Beitrag über Prince Williams bevorstehende Hochzeit eine Anmoderation zu schreiben, also das, was TV-Moderatoren vor einem Beitrag sagen. Aber eine Anmod schreiben kann gleich einmal jemand – diese auch fernsehgetreu vorzutragen ist schon eine andere Sache. Häufige Fehler waren z.B. falsche Betonungen, schlechte Körperhaltung  und auch die Sache mit den Händen. Die darf man nämlich nicht unter dem Tisch verstecken, sondern ganz locker auf den Tisch legen und ab und an auch für’s Gestikulieren verwenden. Es gilt also “natürlich mit den Händen zu reden”. Übrigens: Gelegentlich offene Hände signalisieren auch die Offenheit des Moderators gegenüber dem Publikum.

Interviews führen soll gelernt sein

Die zweite Praxisübung führte uns zum Interview. Zuerst unterschieden wir zwischen den vielen Interviewarten im Journalismus. Generell sollte man sich, so Leitner, bei der Vorbereitung & Durchführung eines Interviews Folgendes vor Augen halten:

1. Wissen sammeln. Egal, ob die Person oder das Thema im Vordergrund steht: Je mehr man sich vorbereitet, desto mehr kann man auch aus dem Interview rausholen.

2. Ziel setzen. Wo will ich mit meinem Interview hin? Ich stelle meine Pflichtfragen, die Kürfragen kann ich je nach Verlauf auch weglassen.

3. Zuhören. Ein gängiger Anfängerfehler. Es gilt, nicht nur den Fragebogen runter zu beten, sondern auf die Antworten des Interviewten eingehen und eventuell nachzubohren.

4. Beharrlich sein. Will der Interviewte partout keine Antwort geben und redet nur um den heißen Brei, so darf man sich als Journalist ruhig auf die Metaebene begeben und sagen “Wir sehen, XY möchte keine Antwort geben.”

Häufige Fehler beim Interview

Nun kommen wir zu Leitners Schauspieltalent. In der Übung bildeten wir Teams, die jeweils eine andere Person (immer von Tarek Leitner verkörpert) zum Thema Kampfhunde interviewen sollten. Er spielte einen betroffenen Vater, einen floskelnden Politiker, einen aufgebrachten Aktivisten und sowie einen Hundezüchter. Jedes Mal wirklich hervorragend – Respekt!

Bald schon erkannten wir, was man als Journalist in einer Interviewsituation stets beachten sollte:

  • Frage immer fertig stellen. Auch wenn der Interviewte drein redet.
  • Ich habe die Kontrolle. Deshalb entscheide auch ich, wann sich das Mikrofon wo befindet.
  • Unterbrechen darf man. Aber nicht unbedingt schon bei der ersten Frage.
  • Kurze und präzise Fragen stellen. So hat das Gegenüber weniger Zeit um nachzudenken.
  • Keine Bestätigungsfragen á la “Sie wollen also, dass …?” – “Ja, genau.”
  • Weniger Recherchefragen stellen. Dafür aber nach Motiv, Begründung und Meinung fragen.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar wertvolle Tipps geben! Cheers!

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