Raus aus Korea und rein in den Dschungel (02.-09.05.2016)

Da glaubt man, man “kennt” Asien zumindest ein bisschen, reist dann in ein anderes Land und muss feststellen – von “Asien kennen” kann wohl niemand so schnell sprechen. In der 10. Woche meines Auslandssemesters haben fünf exchange students und ich dem schönen Südkorea den Rücken gekehrt und sind nach Taiwan geflogen, konkret nach Taipei. Und schon nach wenigen Stunden war uns klar: Diese Stadt hat einen ganz anderen “vibe” als Seoul … vieles wirkt einfach “asiatischer” … But I am getting ahead of myself here, denn unser Flug nach Taipei ging erst am Freitag.
Am Montag habe ich mit wiederum fünf exchange students einen “templestay” gebucht, sprich wir werden schon bald eine Nacht in einem buddhistischen Tempel mitten im Nirgendwo verbringen und auch den Tagesablauf der Mönche dort mitmachen. Wir freuen uns schon sehr! Kurious dabei: Wegen Buddhas Geburtstag an diesem Wochenende bekommen wir gleich 85% Rabbat und der Aufenthalt ist direkt vor den Abschlussprüfungen des Koreanisch-Kurses … naja, vielleicht bringt’s uns ja was und uns kommt die Erleuchtung oder so. 😉

Am Mittwoch habe ich einen ganz feinen Bagel-Laden direkt gegenüber der Ewha University (etwa 15 Gehminuten vom Heim) ausprobiert. Ich hatte online darüber gelesen und wollte einfach einmal wieder typisch westliches Essen haben (koreanisches Essen ist natürlich nach wie vor auch fein). Und es war soooo gut! Ich sag nur “Honey Walnut Cream Cheese” … Ich war inzwischen noch einmal dort und werde wohl noch öfter vorbeischauen. Der Bagel war gleichzeitig auch ein bissl ein “Frustessen”, denn zuvor ist mir ein ziemlicher Sch .. auf der Bank passiert. Ich wollte ursprünglich nachfragen, ob ich in Taiwan mit meiner koreanischen Bankomatkarte Geld abheben kann (das geht natürlich nicht). Der Herr dort meinte, dass ich zumindest mit Karte bezahlen könnte. Schließlich ging ich zu einer anderen Filiale meiner Bank und besorgte mir Taiwan Dollars (TWD). And here comes the part that was messed up: Ich wollte eigentlich 100.000 Won (rund 75 Euro) in TWD umtauschen, was zwar nicht ganz ausreichend, aber dennoch okay gewesen wäre. Der dortige Herr hat mich aber offensichtlich falsch verstanden und mir TWD im Wert von rund 1,4 Millionen Won gegeben! :O Ich fragte noch “Und das sind jetzt 100.000 Won?” Und er sagte “Ja.” :( Als mir der Fehler dann später aufgefallen ist, war ich seeeehr angefressen, letzten Endes war es aber okay, denn ich habe für unsere beiden Unterkünfte in bar gezahlt und außerdem einen großen Teil des Geldes an meine Mitreisenden “verkauft”. Mir sind am Ende nur rund fünf Euro in TWD übrig geblieben, also: alles wieder gut.

Bulgogi. Kartoffeln als Beilage sind übrigens nicht unbedingt üblich hier.
Bulgogi. Kartoffeln als Beilage sind übrigens nicht unbedingt üblich.

Am Abend habe ich meinen Buddy Jinju zum dinner getroffen (jaaaaa, für mich dreht sich derzeit irgendwie alles ums Essen^^). Sie hat mir ein eigentlich recht “klassisches” (= durchschnittliches) Lokal gegenüber des Campus gezeigt, wo wir Bulgogi (불고기) gegessen haben – ein Klassiker in der koreanischen Küche. Dr. Wikipedia sagt mir, dass dieses Fleischgericht als Festtagsgericht gilt, wohl auch, weil die Originalvariante mit (teurem) Rindfleisch gemacht wird. Tatsächlich bekommt man Bulgogi aber auch oft mit Schweinefleisch … Jedenfalls gibt es dazu natürlich einen ganzen Tisch voll mit Beilagen. I like. :) Danach sind wir direkt zum HUG-Event diese Woche gegangen, wo sich dieses Mal alles ums Thema drinking games gedreht hat. Von meinem membership training mit dem Englischklub kannte ich ja schon einige und ich muss sagen: Koreanische Trinkspiele sind wirklich sehr schräg. 😀 Von lautem Schreien bis hin zu Klatschen ist alles dabei … Wir haben übrigens Ginseng getrunken, da Alkohol am Campus natürlich verboten ist. Nachher gab’s dann aber noch eine after party, bei der natürlich das richtige Zeug getrunken wurde. 😉 Hier ein Video, das all das wohl recht gut veranschaulicht:

Tags darauf stand schließlich die Vorbereitung für unsere Reise nach Taiwan am Programm, denn unser Flug am Freitag ging (leider oder zum Glück – je nachdem) schon um 7.50 Uhr. Nach einer einstündigen Busfahrt zum Flughafen, zwei Stunden Flug und einer weiteren einstündigen Busfahrt zur main station sind wir schließlich ziemlich müde in unserer ersten Bleibe angekommen – einem sogenannten Kapselhotel. In diesem fensterlosen Hotel hat jeder seine eigene Kapsel, die – wie ich meine – wie eine riesige umgebaute Waschmaschine aussieht. 😀 Das Gepäck wird in separaten Kästen verstaut, Bad und WC sind quasi am Gang. Klingt alles nicht besonders luxuriös (is es auch nicht), aber dafür ist’s nicht teuer und irgendwie cool.^^ Außerdem haben wir drei – Andrea, Phi Linh und ich – in unseren Kapseln geschlafen wie ein Stein. :) Die anderen drei Mädels – Laura, Linn und Juliette – sind unterdessen in einem anderen, auch nicht ganz gewöhnlichen Hotel, abgestiegen. Andrea, Phi Linh und ich haben dort dann die beiden letzten Nächte verbracht. Für die ersten beiden war nämlich leider nichts mehr frei.

Anyways, nach einer vietnamesischen Suppe in einem Lokal, in dem es nur eine Karte auf Chinesisch, aber zum Glück auch eine nette Frau gab, die gut Englisch konnte, sind wir gleich zu einem der bekanntesten Gebäudekomplex der Stadt – dem C.K.S. Memorial gefahren. “C.K.S.” steht für Chiang-Kai-shek, einen einflussreichen Politiker und ehemaligen Präsidenten Taiwans. An dieser Stelle gibt’s wieder eine Info von Dr. Wikipedia: “Auf Taiwan errichtete Chiang Kai-shek ein autoritäres Regime innerhalb des rechtlichen Rahmens der Sondergesetze, die ihm die Nationalversammlung 1948 übertragen hatte. Unter dieser diktatorischen Führung konnten die Wirtschaft und das Bildungssystem gefördert werden, weshalb Chiangs Herrschaft als ‘Entwicklungsdiktatur’ bezeichnet wurde.” Der gute Herr muss seeehr beliebt gewesen sein, denn dieser Gedenkpark ist wahnsinnig groß! Nach nur wenigen Stunden in Taipei hat uns hier übrigens das Wetter schon ziemlich erschöpft (mehr als 30 Grad, strahlender Sonnenschein und dann auch noch hohe Luftfeuchtigkeit), weshalb meine beiden Kapselkolleginnen zurück ins Hotel gefahren sind. Ich hab mir in der Zwischenzeit den Konfuziustempel angesehen – immerhin belege ich ja eine Lehrveranstaltung, in der es um Konfuzianismus geht. Meine Professorin wird wohl ziemlich überrascht sein, wenn ich ihr erzähle, dass ich dort war. 😀 Es ist kein besonders aufregender bzw. schöner Tempel, trotzdem war’s interessant zu sehen, wie so ein Tempel aussieht. Außerdem waren nur ganz wenige Besucher dort – ein schöner Kontrast zu den sehr geschäftigen und mit Mopeds übersäten Straßen. 😉 Den Abend haben wir dann am Shilin Night Market verbracht, der, so wie viele andere Märkte der Stadt, am Abend öffnet und bis etwa ein Uhr Früh geöffnet hat. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt: Kleidung, Obst, street food, Souvenirs etc. – alles relativ günstig. Leider aber auch sehr crowded …

Nach einem australischen Frühstück bin ich Samstagmittag in ein cat café gegangen. Ähnliche Cafés gibt’s auch in Seoul, allerdings war ich noch in einem. Jedenfalls hat sich eine dieser “Flauschewausches” prompt auf meinen Tisch gelegt – ja, das ist in diesen Cafés durchaus “erlaubt” bzw. sogar erwünscht. Viele Cafébesucher sind zu meinem Tisch gekommen, um Fotos zu machen, auch draußen sind immer wieder Leute stehen geblieben, denn die weiße Mieze hat quasi die Aussicht aus dem straßenseitigen Fenster genossen … Eine recht teure und haarige Angelegenheit, aber, wenn man Katzen mag, trotzdem fein. :) Den restlichen Tag haben Andrea und ich dann im und ums Taipei 101 verbracht. Dieser 508 Meter hohe Wolkenkratzer war bis Anfang 2007 das höchste Gebäude der Welt und ist das Wahrzeichen der Stadt, deshalb mussten wir auch 40 Minuten für den Lift anstehen (übrigens der mit rund 60 km/h ehemals schnellste Lift der Welt). Einen Rekord hält der Wolkenkratzer nach wie vor – er hat das größte Tilgerpendel der Welt. Und das hat auch einen guten Grund, denn in Taiwan gibt es jedes Jahr tausende Erdbeben und einige Taifune, weshalb das 101 großen Belastungen widerstehen muss. Diese vergoldete Kugel ist 660 Tonnen schwer und kann Bewegungen des Turms um bis zu 40 Prozent dämpfen – ziemlich cool! Ebenfalls fein waren die dumplings (gefüllte Teigtaschen), die wir hier gegessen haben (dafür ist Taiwan bekannt). Und von den Aussichtsplattformen hat man natürlich eine tolle Aussicht – vor allem bei Nacht.

Am Sonntag haben wir wieder etwas Typisches gemacht – Taiwan style shampoo. Dabei bekommt man eine Haarwäsche und Kopfmassage sowie ein anschließendes Styling. Kurios: Die Herrschaften, die uns betreut haben, konnten original drei Wörter Englisch … aber irgendwie kommt man ja immer zurecht. 😉 Leider haben unsere Locken aufgrund des Wetters (heiß, feucht + starker Regen) nicht lange gehalten. War aber nicht schlimm, denn danach haben wir uns einen buddhistischen Tempel angeschaut (Longshan), in dem niemand besonders gestylt war. Wir sind gerade rechtzeitig zu einem Ritual gekommen, bei dem gesungen und getrommelt wurde. Jeder Besucher bekommt außerdem Räucherstäbchen, die man anzünden kann. Wieder ein sehr “asiatischer” Moment. :) Am Abend sind wir dann noch ein bisschen shoppen gegangen und haben mango shaved ice cream gegessen – eine weitere typische Speise in Taiwan. Sooo nice! :)

Nach nur zwei Stunden Schlaf sind wir Montagfrüh schließlich zu viert zu einem morning walk auf den Elephant Mountain aufgebrochen. Auf diesem Berg mitten in der Stadt hat man eine tolle Aussicht auf das 101 und hätten wir nicht gefühlte 50 Grad und viele Mücken gehabt, wäre es wirklich ein feiner Spaziergang gewesen. Es hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt. :) Andrea, Phi Linh und ich sind dann später in eine Gegend namens Maokong gefahren, eine Art Vorort von Taipei, in dem sehr viel Tee angebaut wird. Auch hier wieder ein schöner Kontrast – Ruhe und viel Grün im Gegensatz zur Stadt an sich. Wir sind vor dem Regen (bzw. später dann Gewitter) in ein tea house geflüchtet und haben gelernt, wie denn das mit dem Teemachen wirklich geht – das ist tatsächlich eine kleine Wissenschaft … Krönender Abschluss unserer Reise war dann eine einstündige Massage in einem sehr schönen Massagesalon in der Nähe unseres zweiten Hotels. Ich habe mir eine Fuß- und Schultermassage geben lassen, die anderen eine – offenbar recht schmerzvolle – full body massage, jeweils um günstige € 23. Nach einer weiteren kurzen Nacht ging es dann schlussendlich am Dienstagmorgen wieder zurück nach Seoul.

So, nach diesem sehr langen Post muss jetzt noch ein Fazit her und dieses lautet: Taiwan ist auf jeden Fall eine Reise wert und ich bin froh, dass ich einmal über den koreanischen Tellerrand hinausblicken konnte. Die Reise hat mir gezeigt, dass Korea doch vergleichsweise sehr westlich ist (vor allem, was den Straßenverkehr betrifft). 😀 Außerdem ist das Klima (zumindest derzeit) im Vergleich angenehm – in Taiwan bin ich mir zeitweise echt wie im Dschungel vorgekommen.^^ Ich freue mich schon, noch weitere Länder in anderen Teilen Asiens zu erkunden, aber das wird wohl noch eine Weile dauern …

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